Deichsanierung Meerbusch Büderich - Teil 2

Im März ging es dem alten Deich an den Kragen

Deichsanierung Meerbusch-Büderich - Teil 2

Im AMAND Journal 4/2011 wurde das Bauvorhaben Deichsanierung Meerbusch-Büderich bereits vorgestellt.

Hier nun ein paar Entwicklungen aus den letzten Monaten.

Die Spundwand konnte im November letzten Jahres planmäßig fertiggestellt werden, doch beim Bau der Erosionsschutzwand stießen wir auf Hindernisse - bleibt im Erdreich in Tiefen zwischen neun und elf Metern ja nicht aus -, die den Bauablauf für den Spezialtiefbau verzögerten. Wir bekamen von der Bezirksregierung zwei nicht unwesentliche Anträge genehmigt: Wir konnten mit den Erdarbeiten vor dem eigentlichen Ende der jährlichen Hochwasserschutzzeit beginnen und wir erhielten die Erlaubnis, den Deich an zwei Stellen über mehr als 50 Meter zu öffnen. In den letzten Jahren konnten wir mehr als einmal beweisen, dass wir durch die entsprechenden Geräte und Maschinen und gut qualifiziertes Personal in der Lage sind, auch schnell auf spontan auftretende Hochwasserereignisse zu reagieren.

Am 9. März konnten wir starten! Mit drei Raupen D6 wurde der Oberboden abschnittsweise abgetragen, zwei Cat 345 räumten den alten Deich und legten das Material wasserseitig aufs Zwischenlager. Und schon begannen die Probleme: das vorgefundene Material war für den Einbau als Deichlager und Dichtschürze nicht geeignet. Stattdessen erfolgte der Einbau als Stützkörper mit der Notwendigkeit, Sande und Kiese zuzuliefern. Doch das Hauptproblem war nicht die Planänderung an sich, sondern ihre immense Dimension: ursprünglich sollten 5.000m³ bindiger Boden geliefert werden - nun hatte sich die Zahl verzehnfacht!

Diese Art von Boden gibt es in Düsseldorf nur begrenzt. Die Baugrube am Belsenplatz lieferte nicht die Menge, die wir brauchten und in der näheren Umgebung war auch nichts zu finden. Im Tagebau Garzweiler wurden wir dann fündig und konnten das Material von dort mit eigenen und fremden LKWs heranfahren; ein Teil ist auch aus der Kiesgrube Kaarst geliefert worden.

Anfang Oktober, als wir täglich bis zu 2.000 m³ Boden angeliefert bekamen, setzte plötzlich sintflutartiger 6Regen ein. Die Baustraßen wurden schon mit 100.000 m³ Bodentransport belastet - der Regen gab ihnen den Rest. Eine Überarbeitung der Straßen erfolgte in einer Hau-Ruck-Aktion unter Aufbietung aller Kräfte.

Nach Rückbau des alten Deiches wurde der an der Wasserseite liegende Sporn ausgehoben und mit bindigem Material verfüllt. Es folgte das Deichlager, ebenfalls aus bindigem Boden bestehend, mit einer Mächtigkeit von mindestens 1,0 Meter auf der Landseite und bis zu 3,5 Meter auf der Wasserseite bei Breiten bis zu 50 Metern. Die Altdeichmaterialien hatten für den Einbau zu hohe Wassergehalte. Also wurden auch hier noch circa 1.000 Tonnen Kalk eingefräst. Nun erfolgte der Aufbau des Stützkörpers: Das Mischen besorgten unsere Traktorfräsen und in Teilen auch eine Hochleistungsfräse. Jede einzelne Lage des neuen Deiches wurde abgenommen, in Eigen- und Fremdüberwachung. Das Filtermaterial, ein Kies, wurde überwiegend vom Belsenplatz geliefert.

Neben den Erdarbeiten wurde noch gebaut: Ein Durchlassbauwerk für den Stingesbach mit einem Schieberschacht mit zwei eingebauten Absperrschiebern und Anschlüssen aus SB-Rohren. Gleichzeitig wurde die Spundwand mit Klinkern verkleidet. Parallel zum Erdbau wurde der Wegebau für den Deichkronenweg mit rotem Pflaster und für den Deichverteidigungsweg mit grauem Pflaster ausgeführt. Die Rampen werden zum Teil in Asphaltbauweise ausgeführt.

Zeitlich gesehen gelang uns eine Punktlandung: die Hochwassersicherheit konnte zum 30. Oktober hergestellt werden. Das heißt, die Deichkronenhöhe wurde auf Soll hergestellt, auf der Wasserseite wurde der Oberboden angedeckt und die Einsaat ausgeführt. In den Bereichen, wo die Ansaat erst im Oktober ausgeführt wurde, ist zusätzlich eine Jutematte als Erosionsschutz verlegt worden.

Bis zu diesem Zeitpunkt wurden folgende Leistungen erbracht:
40.000 m³ Oberboden abgetragen und angedeckt
110.000 m³ Boden des alten Deiches abgetragen, separiert und eingebaut
150.000 m³ unterschiedliche Böden geliefert und eingebaut
70.000 t ungeeignetes Material einer Wiederverwendung zugeführt oder entsorgt

Derzeit werden mit Genehmigung der Bezirksregierung noch Arbeiten im Bereich des Wegebaus, beim Andecken von Mutterboden landseitig, beim Rückbau der Baustraße und bei der Herstellung eines Wirtschaftsweges erbracht. Nach quasi Abschluss dieses Bauvorhabens müssen wir betonen, wie sehr die Leistungen unserer Kollegen zum Gelingen beigetragen und dies erst möglich gemacht haben.

 

Auszug aus AMAND Journal 4/2012