Erstellung einer innerstädtischen Baugrube am Belsenplatz in Düsseldorf

Erstellung einer innerstädtischen Baugrube am Belsenplatz in Düsseldorf

Entwicklungsgebiet "Ehemaliger Güterbahnhof Oberkassel"

Das 15,2 Hektar große Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Oberkassel zählt zu den wichtigsten Entwicklungsgebieten in Düsseldorf. Hier soll in den nächsten Jahren ein neues Stadtquartier in zentraler Lage entstehen. Geplant ist eine Mischung aus etwa 500 Wohnungen, Büros, Einzelhandel und Gastronomie mit etwa 1.000 Neubürgern. 

Im Juni letzten Jahres erhielten wir den Auftrag zur Ausführung der Aushubarbeiten von 90.000 m³ Boden und Auffüllungen für die Baugrube des Gebäudeensembles „Belsenpark 1“ im linksrheinischen Düsseldorf-Oberkassel. Wir waren Auftragnehmer der Firma Porr Bau GmbH, ein international agierender Baukonzern mit Sitz in Wien. Die Rahmenbedingungen dieses Bauvorhabens waren mit denen am BV Mönchengladbach Arcaden (siehe gesonderter Artikel) vergleichbar.

Bedingt durch die Lage im Stadtzentrum spielten auch hier neben den technischen und terminlichen Anforderungen die logistischen Restriktionen eine zentrale Rolle, was dann auch zentrales Thema bei den vielen intensiven Besprechungen im Vorfeld der Baumaßnahme war. Hinsichtlich der für uns wichtigen Transportrouten und Baustellenzufahrten war es wichtig, mehrere Großbauvorhaben unter einen Hut zu bekommen. Anders als bei den Mönchengladbach Arcaden fanden wir aber dieses Mal ein von Gebäudesubstanz geräumtes Baufeld vor, was ja auch die Regel ist.

So begannen unsere Arbeiten mit dem Aushub und der Abfuhr der Boden- und Bauschuttauffüllungen auf der Grundlage eines Rasterplanes und unter gutachterlicher Begleitung. In Abhängigkeit der stofflichen Zusammensetzung und der Analyseergebnisse durch den Gutachter wurden diese Aushubmassen dann für die Entsorgung eingeordnet. Die unterschiedlichen Massen wurden durch unsere Bagger separiert und auf die jeweils zugeordnete Deponie verbracht. Trotz der vorlaufenden, engmaschigen Bodenuntersuchungen wurden einige zusätzliche Auffälligkeiten festgestellt, die weitergehende Bodenuntersuchungen erforderten.

Diese Bodenverunreinigungen waren in der historischen Nutzung des Geländes als Bahnhof begründet. Infolge dieser Funde mussten die betroffenen Aushubmassen aufwendig zwischengelagert oder in Containern ausgelagert werden, um den weiteren Baufortschritt sicherzustellen.

Nach Abtrag der Auffüllungsmassen erfolgte der Aushub des natürlichen Bodens. Diese Böden sind sowohl Lehmböden als auch Sande bzw. Kiese. Hier kommen die von uns avisierten Synergien mit anderen Bauvorhaben zum Tragen. Was an einer Stelle rausgeholt wird, kann an anderer Stelle eingebaut werden. So wurde der Bodenaushub dieser Baugrube überwiegend für den Deichbau in Meerbusch-Büderich und für die Autobahn-Baustelle "Lange Hecke" verwendet. So konnte in Meerbusch bis Ende Oktober des letzten Jahres der Bodenbedarf für den Deichneubau gedeckt und damit die Hochwassersicherheit am Rhein vor dem Winter erreicht werden. Damit können sowohl die finanziellen, aber vor allem auch die terminlichen Vorgaben für die Baugruben und die Verwertungsstellen, wie im Falle der Deichbaustelle in Meerbusch, erreicht werden.

1981 wurde der Betrieb am Güterbahnhof eingestellt und seitdem hatten sich dort Zwischennutzungen angesiedelt, die der Lage der Flächen und ihrem Potential nicht gerecht wurden. Die Planungen zur Umnutzung des Areals begannen bereits im Jahr 1990 mit einem städtebaulichen Ideenwettbewerb. Mit dem neuen Stadtquartier am Belsenpark wird das Ziel verfolgt, ein lebendiges Quartier mit einer Mischung aus Wohnen (überwiegend), Arbeiten, Gastronomie, Einkaufen und Freiraumnutzungen zu schaffen. So sollen die Strukturen im linksrheinischen Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel gestärkt und eine dauerhafte Belebung des Gebietes bewirkt werden.

Zwischenzeitlich stand die Baugrube unter Wasser. Nach den starken Regenfällen um die Weihnachtszeit war mit dem Rheinpegel auch das Grundwasser gestiegen und hatte sich in der Baugrube einen guten Meter hochgedrückt. Nicht wirklich überraschend, bedenkt man, dass das Areal an der tiefsten Stelle eineinhalb Meter unter Rhein-Niveau liegt. Die Baumaschinen wurden aber rechtzeitig aus dem niedrigen Bereich geholt und der Strom abgeschaltet. Und dem Beton macht das Wasser aber nichts aus, so dass nach Abdichtung der Kellerwanne auch kein Wasser in den Neubau eindringen kann.

 

Auszug aus AMAND Journal 1/2013