Millimetergenau in die Endposition

Einschwimmen des Stahlüberbaus bei der Kanalbrücke Dorsten-Hervest

Am 14. und 15. August war es soweit: Der auf der Vormontagefläche hergestellte Überbau wurde in die Endlage gebracht.

Der Überbau wurde durch vier sogenannte KAMAG´s übernommen und in Richtung Norden ein erstes Teilstück verfahren. Die KAMAG´s sind Spezialschwerlasttransportfahrzeuge mit mehreren Achsen, wobei jede Achse einzeln lenkbar ist. Der erste Teilverschub fand bis über das Widerlager hinaus statt, anschließend wurde der Überbau auf die Vorschublager am Widerlager Süd umgelagert. Nach dem Entfernen der vorderen beiden KAMAG´s wurde weiter verschoben. Dieses fand mit Spannstahllitzen und Hydraulikzylindern statt, die mittels Stahlkonstruktion am Endquerträger befestigt waren. Jetzt konnte bis circa zur Mitte des Kanals weiter verschoben werden, bevor der vorbereitete Ponton mit Stütztürmen unter den Stahlüberbau ein-geschwommen wurde.

Der Höhenausgleich findet hier, durch einen einfachen, aber effektiven Einsatz von Pumpen statt. Pumpt man Wasser in die Kammern des Pontons, erhöht sich die Eintauchtiefe, pumpt man Wasser ab verringert sich die Eintauchtiefe. Also ein sehr einfaches Prinzip, wobei der Kapitän auf dem Ponton darauf achten muss, dass die Pumpenvorgänge der einzelnen Kammern exakt gleich ablaufen.

Mit dem Ponton schwimmt dann der Überbau Zentimeter für Zentimeter in Richtung Endlage. Der Überbau ist zu jedem Zeitpunkt in Quer- und Längsrichtung gehalten, kann aber in seiner Richtung geführt werden. Der Antrieb findet entweder wieder über die KAMAG´s oder die Hydraulikpressen mit Spannstahllitzen statt. Um den Verschubvorgang in Längsrichtung variabel zu gestalten, sind auf den Stütztürmen des Pontons ebenfalls Vorschublager installiert. Dadurch kann man den Stahlüberbau auch über den Ponton schieben, die Vorgänge Einschwimmen Ponton und Verschub Überbau sind dann entkoppelt. Nach dem Erreichen des Endwiderlagers wird der Überbau durch Klettertürme übernommen.

Der Ponton wird mit Wasser gefüllt und damit abgesenkt. Der Überbau ist jetzt nur auf den Klettertürmen vor den Widerlagern aufgelegt. Die Klettertürme sind in der Lage, unter Last die Höhe zu verändern. Dieses geschieht parallel an allen vier Türmen. Auf den Widerlagern befinden sich Hydraulikpressen, die jetzt den Überbau übernehmen. Nach Ablassen des Überbaus auf Endhöhe können die endgültigen Brückenlager eingebaut werden.

Am Samstag, dem 15.08.2015 hatten wir es geschafft!  Der Überbau lag in Endposition und alles hat gut gepasst! Die Mitarbeiter des WSA Duisburg konnten die Schifffahrt auf dem Wesel-Dattel-Kanal wieder freigeben.

 

Einige technische Daten:
Bauvorhaben:Ersatz der Hervester Brücke Nr. 423 bei WDK-km 32,063
Auftraggeber:Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg-Meiderich
Bauzeit:06/2014 bis 04/2016
Kosten:4,8 Millionen Euro
Länge:75,00 Meter
Breite:12,95 Meter
Gewicht:470 Tonnen
Anstrich:Farben des Kreises Recklinghausen
Erdmassen der Rampe:22.000 Kubikmeter Boden
Volumen der Widerlager:1.100 Kubikmeter Beton

 

Auszug aus dem AMAND journal 01/2016