Sanierung Bahndamm in Dessau

Sanierung Bahndamm in Dessau

Noch Spuren des Jahrhunderthochwassers

Die Spuren des Hochwassers aus dem Jahr 2002 sind noch immer nicht vollständig beseitigt. Die Bahnstrecke von Trebitz nach Leipzig überquert zwischen Dessau und Rosslau das Überflutungsgebiet der Elbe und der Mulde. Beim Jahrhunderthochwasser wurde der Fuß des Bahndammes durch die Wassermassen erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Zwischenzeitliche Sicherungsmaßnahmen konnten die Stabilität des Dammes nicht wieder herstellen. Personenzüge fahren derzeit mit ca. 50 km/h und Güterzüge sogar nur mit 10 km/h durch das Landschaftsschutzge­biet und Biosphärenreservat Mittelelbe. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten sollen die Züge dann mit 160 km/h die Strecke befahren können.

Jede Menge zu tun
Bis Juni 2011 sind umfangreiche Sanierungsarbeiten auszuführen. Die Firmen Sächsische Bau (techn. GF), AMAND (kfm. GF), Wiebe und Stahlbau Niesky haben sich zur ARGE Muldequerung zusammengeschlossen. Dabei obliegt dem Arge-Partner Sächsische Bau der Neubau der Widerlager von 6 Brückenbauwerken und dem Stahltrog und der Neubau der Stahl­betonrahmen. AMAND ist verantwortlich für die Baufeldfreimachung (Rodung, Kabelumverlegung, Beseitigung von Bettungs­rückständen auf den Dammschultern), den Ausbau von ca. 20.000 m³ Bauschutt aus den Trümmern Dessaus nach dem 2. Weltkrieg, die Erstellung neuer Dammbereiche, der Anlieferung von ca. 100.000 m³ Dammbaumaterial per Bahn, dem Einbau PSS, dem Tiefbau bei der Umbindung, der Abflachung und Stabilisierung der Bestandsdämme nach Umverlegung der Gleise, der Teilerneuerung von Wirtschaftswegen und dem Rückbau der alten Widerlager. Zu den Aufgaben der Firma Wiebe gehö­ren der Neubau der Gleise auf den neuen Dämmen und die Gleiseinbindung in das bestehende Netz. Die Firma Stahlbau Niesky ist verantwortlich für den Neubau der Stabbogenbrücken und den Neubau des 85 m langen Stahltroges.

Ungewohnte Anlieferung
Entgegen der von AMAND normalerweise praktizierten Anlieferung der Schüttmassen mit LKW, erfolgte hier die Andienung mit Kippwagen der Bahn. Dazu wurde das Material aus umliegenden Kiesgruben zu einem Umschlagplatz in Delitzsch mit dem LKW gefahren und mit Hilfe eines Radladers und eines Förderbandes auf die Waggons verladen.

Abkippung und Einbau rund um die Uhr
Die Waggons wurden in Nachtsperrpausen in die Baustelle gefahren, abgekippt und provisorisch im Baufeld ausgeschoben. Diese Arbeiten wurden mit Hilfe eines Baggers CAT 320 und einer Raupe D6R durchgeführt. Nach Ende der Sperrzeit begann die Nachtschicht mit dem qualifizierten Einbau des Kieses. Die Tagschicht schloss die Arbeiten ab, um die tägliche Einbauprü­fung durch Fremd-und Eigenprüfer zu ermöglichen.

Aufbau einer Überlast

Die Dämme wurden überhöht eingebaut, damit die anfänglichen Setzungen des Dammes vor dem Bau der neuen Trasse abgeschlossen sind. Diese Überlast bleibt bis Ende 2009 bestehen, danach erfolgt der Rückbau. Nach der Umverlegung der Gleise auf die neuen Dämme und Brückenbauwerke werden die alten Dämme und Brücken zurückgebaut.

Nicht immer ganz einfach...
...war die unmittelbare Nähe zur Bundesstrasse B 184, die sich ebenfalls im Ausbau befindet. Auch nähern sich die alte Bahntrasse, der neue Damm und die Bundesstrasse in einem Teilabschnitt bis auf wenige Meter an, so dass die Böschungs­füße und die Widerlager der Brücken sich fast berühren. Auch nicht einfacher wurden die Bauarbeiten durch die Gewährleis­tung der ständigen Erreichbarkeit und Nutzungsmöglichkeit des benachbarten Ruderclubs, des Wassersportvereins und des internationalen Fernradweges -und das nahezu über die gesamte Bauzeit.

Biosphärenreservat - Was ist das?
Ein Biosphärenreservat ist ein Schutzgebiet, das für die jeweilige Vegetationszone repräsentativ ist. Das Biosphärenreservat Mittelelbe ist ein Teil des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe. Dieses erstreckt sich entlang der gesamten Elbe im Land Sachsen-Anhalt zwischen Wittenberg im Osten über Dessau-Roßlau und Magdeburg bis nach Seehausen im Norden. Bereits 1979 wurde das Biosphärenreservat Steckby-Lödderitzer Forst von der UNESCO ausgewiesen, das 1988 um weite Flächen um Dessau und Wörlitz herum erweitert wurde. 1990 entstand daraus das Biosphärenreservat Mittlere Elbe , später dann Mittelelbe genannt. Das Gebiet hat eine Fläche von 125.743 Hektar und zieht sich entlang der Elbe und Mulde; es umfasst die Elbauen als einzigartiges Auenlandschaftsbiotop und bietet vielen vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen Schutz. Es gibt hier über 1.000 Pflanzen-, 250 Vogel-, 130 Bienen-und 50 Libellenarten zu bestaunen; das Reservat gilt außerdem als Referenzstelle für den Biberschutz (Elbebiber).