Raum für den Rhein

Für Köln sind die Häfen in Godorf, Niehl und Deutz das Tor zur Welt. Mehr als 200 Binnenschiffe werden hier täglich abgefertigt. Allein im Hafen Godorf werden zurzeit jährlich 7,7 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Für die Region Köln als Wirtschaftsstandort sind exzellente Transportmöglichkeiten im Wasser von immenser Bedeutung.

Beim Ausbau des Godorfer Hafens muss ein Teil der Fläche in der Sürther Aue dem neuen Hafenbecken weichen. So sind Ausgleichsmaßnahmen durchzuführen, bevor überhaupt mit dem Hafenausbau begonnen werden kann. Dies betrifft eine Fläche von 9 Hektar in der Sürther Aue und eine Fläche von 18 Hektar in der Worringer Aue. Hier sind neue Pflanzen anzulegen, eine Weichholzaue zu revitalisieren und eine neue Flutmulde zu schaffen, in der auch neue Lebensräume für Fische, Amphibien und die Vogelwelt geschaffen werden. Wichtigstes Argument für die Worringer Flutmulde jedoch ist natürlich der Beitrag zum Hochwasserschutz.

Durch Hochwasser verloren in den letzten Jahren viele Menschen ihr Zuhause und Milliardenwerte wurden vernichtet. Damit sich das nicht wiederholt, werden Hochwasserschutzmaßnahmen durchgeführt; dazu zählen unter anderem die Errichtung von Notdeichen, mobilie Hochwasserschutzmaßnahmen und die Erhöhung von Dämmen. Bisher ist gerade Letzteres die bevorzugte Maßnahme: Deiche werden saniert, meist als Dreizonendeiche ausgebaut und somit auch höher gebaut.

Doch das reicht alles nicht aus. Man hat (wieder-)erkannt, dass die Flüsse Räume brauchen, um sich bei Hochwasser ausdehenen zu können. So hat AMAND zum Beispiel in den letzten Jahren verstärkt Deicherweiterungen beauftragt bekommen, wie den Retentionsraum Monheim oder das Rückhaltebecken in Bodenheim und Köln Lülsdorf.

Flutmulde statt Überschwemmung
Eine besondere Flutmulde wurde zum Jahreswechsel 2008/2009 in Köln-Worringen errichtet. Im November beauftragt, begannen wir Anfang Dezember mit dem Ausbau der Mulde. Die Baumaßnahme musste bis Ende Januar abgeschlossen sein.

Rund-um-die-Uhr-Betrieb
Mit drei Raupen wurden die 50.000 m³ Oberboden abgetragen und nach dem Bodenabtrag wieder angedeckt. Zwischenzeitlich wurde eine ca. 2 km lange Baustraße gebaut, um den Materialtransport zu gewährleisten.

Mit 45 LKWs, die durch vier Bagger im 2-Schicht-System beladen wurden, wurden ca. 120.000 m³ Boden nach Köln-Widdersdorf in den Lärmschutzwall verbracht. Wir haben also mitten in der Frostperiode Tag und Nacht (bei bis zu -18 Grad) in zwei Schichten gearbeitet - nur zwischen zwei und vier Uhr morgens standen die Maschinen still.

Wenn jetzt der Pegel steigt, kann der Rhein in sein "Rückzugsgebiet" flüchten, statt die Aue zu überschwemmen. Pünktlich zum 31.01.2009 konnten wir die Hauptmaßnahme abschließen und nach Rückbau der Baustraßen und Herstellung eines zusätzlichen Schotterweges durch die neue Flutmulde konnte die Baumaßnahme mit einer mängelfreien Abnahme am 06.02.2009 beendet werden.

Die Einhaltung dieses Termins war unbedingt notwendig, um den weiteren Ausbau des Godorfer Hafens nicht zu gefährden. Dort durfte erst nach Fertigstellung der Worringer Flutmulde begonnen werden.

 

 

Auszug aus dem AMAND-Journal 03/2009